Früher war es üblich, Festtage und wichtige Ereignisse mit Böllerschüssen anzukündigen. Die Böller wurden von den Dorfschmieden aus alten Gegenständen selbst hergestellt. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam die industrielle Fertigung von Gusseisenböllern auf. Nach Art der Anwendung unterscheidet man Leg- oder Standböller, Handböller und Böllerkanonen.

In unserer Gegend war das Neujahrsschiessen üblich, ebenso das Schiessen am Fronleichnamsfest in der Frühe und bei jedem Segen während der Prozession. Auch bei Hochzeiten wurde geschossen, sobald das frisch getraute Paar den Fuß über die Kirchenschwelle setzte. Häufig wurde auch bei Taufen geböllert, insbesondere wenn ein Schütze lange auf einen Stammhalter gewartet hatte...

Heute noch ist es üblich, am Grab eines aktiven Schützen eine dreimalige Salve abzutun, wie dies schon im 30 jährigen Krieg für Soldaten üblich war, was folgendes Lied (um 1640) bezeugt:

"Wer aber in der Schlacht

frei vor dem Feind gefallen,

dem wird sein Grab gemacht,

3 Salven drein erschallen."

Aber nicht nur vor freudigen oder traurigen Ereignissen wurde angeschossen, Böllerschüsse alarmierten die Menschen bei Feuers- oder Kriegsnot und noch heute werden Könige und "Staatsoberhäupter" mit Böllersalven begrüßt. So ist in Württemberg das "Hornberger Schiessen" allgemein bekannt und heute noch verschießt mancher sein Pulver zu früh.

Um 1800 entwickelte man Knallsalze, die 1805 von einem schottischen Pfarrer zum Zünden von Schrotgewehren bei der Jagd auf Enten benutzt wurden. Um 1814 wurde von englischen Büchsenmachern diese Knallsalze aus Kali, Schwefel und Kohle in Kupferhütchen eingefüllt: Das Zündhütchen war erfunden. Feuerstein, Pfanne und Zündkraut waren überflüssig geworden. Statt der Pfanne wurde beim Perkussionsgewehr (lateinisch: Schlaggewehr) ein Piston (Hohlröhrchen) auf den Zündkanal geschraubt und darüber das Zündhütchen gestülpt. Der gespannte Hahn schlägt wie ein Hammer beim Abzug aufs Hütchen, die Explosion der Knallsalze zündet das Schwarzpulver im Zündkanal ohne Zeitverzug und der Schuss bricht präzise. Das Perkussionsschloss ersetzte ab 1850 rasch das Steinschloss, führte zu noch schnelleren Ladevorgängen und leitete über in der Folge zur Herstellung von Patronen und Hinterladern. Eine Revolution in der Waffenherstellung und Tod und Verderben für Millionen Menschen war die Folge.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts entwickelten die Büchsenmacher das Schnapphahnschloss und kurze Zeit danach daraus das Steinschloss. Der Mechanismus ist sehr einfach: Ein mittels Federkraft gespannter Hahn wird durch Drücken des Abzugs gegen die in einer Schraubenachse bewegliche Stahlbatterie geschlagen. Der zwischen den Hahnlippen befestigte Zündstein (Flint) erzeugt durch Reibung am Pfannendeckel Funken. Diese fallen aufs Zündkraut (feinstes Pulver) in der Pfanne und über den Zündkanal wird die im Lauf befindliche Pulverladung explosionsartig gezündet. Bis ins erste Drittel des 19. Jahrhunderts war das Steinschloss das Gewehrschloss schlechthin. Deutsche Büchsenmacher brachten es hinüber nach Pennsylvania in Amerika. So entstand die berühmte "Long rifle", fälschlicherweise "Kentucky-rifle", genannt - die Waffe der Mountain Men und Trapper, später der Indianer - für diese war es der Untergang ihrer Stämme und Kultur.

Aus dem Jagdgewehr entwickelte sich das Steinschlossmilitärgewehr:

Die Truppen Friedrichs des Großen, die französischen Revolutionstruppen und Napoleons Truppen waren mit diesem Gewehr ausgestattet und überzogen Europa mit Krieg und Not.

Im Mittelalter entwickelte das Handwerk kunstvolle Schlösser für Truhen und Tore. Diese und die Entwicklung der Taschenuhr in Süddeutschland hatte auch entscheidenden Einfluss auf das Büchsenwesen: Um 1500 begannen Büchsenmacher das Luntenschloss durch das Radschloss bei Pistolen und Karabinern für die Reiterei zu ersetzen. Gegen die Einführung des Radschlosses bestanden damals erhebliche Bedenken: Kaiser Maximilian I, der "letzte Ritter", war es selbst, der die Herstellung im Reich verbot. Erst nach seinem Tod wurde dieses Feuerschloss eingeführt und die Weiterentwicklung von Kaiser Karl V. besonders gefördert. Wie beim modernen Feuerzeug wird beim Radschloss eine geriffelte Stahlscheibe, mit Federkraft gespannt, gegen einen Feuerstein aus Flint oder Pyrit gerieben. Mit einem Hebelmechanismus wird dabei der Feuerstrahl auf die Pfanne gelenkt, der Schuss bricht. Damit hatte der Jäger oder Schütze jederzeit ein schussbereites Gewehr zur Hand. Kugelbeutel und Pulverflasche oder Horn vervollständigten die Ausstattung. Hohe Herstellungskosten, die Anfälligkeit des Schlosses und die Umständlichkeit beim Wiederladen ließen die Büchsenmacher alsbald weiterforschen.

Das Zünden von Schwarzpulverladungen wurde anfangs von den Schützen mit einem Feuereisen - ein schürhakenähnlicher langer Eisenstab - bewerkstelligt. Dieses wurde im Holzkohlenfeuer in der Nähe des Geschützes zum Glühen gebracht und anschließend auf das Zündloch oder die Pfanne der Büchse, Böller oder Mörser gehalten und so das Pulver gezündet. Ein Windstoß zündete nicht selten jedoch auch das Pulverfass.... So entwickelten die Büchsenmeister schon im 14. Jahrhundert die Lunte, eine in Salpeter und Weingeist oder Bleizucker getränkte Baumwollschnur. Der Abbrand vollzog sich dabei langsam, allerdings eignete sich die Luntenzündung nur bedingt für die Jagd: Die Tiere "rochen Lunte", zudem verriet Rauch bei Tag und das Glimmen der Lunte bei Nacht den Schützen.

Die unhandlichen Waffen erreichten in der Schusswirkung weder den Bogen noch die Armbrust. Der Erfolg lag vielmehr in der psychologischen Wirkung auf den Gegner. Erst im 17. Jahrhundert war die Entwicklung so weit gediehen, dass Bogen und Armbrust verdrängt wurden. Dennoch war das Luntenschloss Jahrhunderte lang im Gebrauch, die Lunte das Zündmittel bei allen Vorderladergeschützen bis ins 19. Jahrhundert.